Das Tierteam besteht aus Schafen, Hunden, Katzen, Ziegen, einem Minischwein, Hühnern, Schildkröten, Eseln, Pferden und einer „bunten“ Mischung von Kleintieren zu Land und zu Wasser Die Tiere stehen unter regelmäßiger tierärztlicher Kontrolle.

 

 


Der „Hof Weitenhagen“ versteht sich nicht nur als Einrichtung der Jugendhilfe, sondern auch als Lebens- und Überlebensraum für gefährdete Haus- und Nutztierrassen, die deshalb die überwiegende Anzahl des Tierbestandes bilden.

Nach einer Erhebung der Weltgesundheitsorganisation FAO gibt es ca. 6.500 Nutztierrassen. Von diesen sind 740 Arten bereits ausgestorben und weitere 40% der noch existierenden Rassen sind vom Aussterben bedroht. In Deutschland gelten zurzeit ca. 70 Arten als in ihrem Bestand gefährdet.

Seit den 1980er Jahren veröffentlicht in Deutschland die Gesellschaft zu Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) jährlich eine „Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen im Bundesgebiet“ in der die gefährdeten Rassen erfasst sind. Der Gefährdungsgrad wird, je nach Bestand, in: „extrem gefährdet“, „stark gefährdet“, „gefährdet“, „Bestandsbeobachtung“ und „nur noch Einzeltiere“ unterschieden. Erfasst werden: Pferde, Esel, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Geflügel, Kaninchen, Hunde und Bienen.

Zur Erhaltung gefährdeter Rassen und damit der genetischen Ressource gibt es Förderprogramme der EU, des Bundes und der Länder.

Schafe

 

Schafe sind, mit den Ziegen, die ältesten Wirtschaftstiere des Menschen (seit Ende des 9. Jahrtausends vor Christi). Sie waren als Opfertiere von Bedeutung und die Menschen nutzten Fleisch, Milch und Wolle, aber auch Hörner und Häute der Tiere. Schafdung konnte als Brennmaterial genutzt werden.

Viele alte durch den Menschen geformte und weniger ertragreiche Kulturlandschaften wie Trockenrasen, Heidegebiete und Moorflächen können nur durch die Pflege mit Schafen und Ziegen erhalten werden.

Schafrassen lassen sich in vier Rassengruppen zusammenfassen: Merinoschafe, Fleischschafe, Milchschafe und Landschafe.

Landschafe sind die ersten domestizierten Züchtungen des Menschen aus dem Wildschaf. Aus diesem Grunde haben sie viele Eigenschaften ihrer wilden Urahnen behalten.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts war die Schafhaltung in Deutschland, wegen der Wichtigkeit der Wollproduktion, einer der wichtigsten Tierhaltungszweige (ca. 30 Mio. Tiere). Durch den Verfall der Woll- und Lammfleischpreise, in Folge der seit damals immer weiter fortschreitenden Globalisierung, ging der Bestand um über 90% zurück. Der stetig steigende Einsatz spezialisierter Hochleistungszüchtungen, führte dazu, dass viele der Landschafrassen in ihrem Bestand soweit zurückgingen, dass sie stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht sind.

Landschafe sind anspruchslos und genügsam und werden hauptsächlich in der Landschaftspflege eingesetzt. Unter den Landrassen besteht eine große Rassenvielfalt. Früher hatte jede Region eine eigene Schafrasse, die an die klimatischen Bedingungen und die Futtergrundlage angepasst war.

Landschafe ermöglichen Einblicke in natürliche Lebenszusammenhänge. Sie zeigen viele in der heutigen Landwirtschaft und ihren mehrheitlich Leistungsrassen nur noch selten zu beobachtende Verhaltensweisen. Sie sind in vielerlei Hinsicht eben besondere Schafe. Vielleicht ist es die Harmonie, die diese Tiere gleichermaßen brauchen wie auch vermitteln.

Insgesamt leben auf dem „Hof Weitenhagen“ ca. 60 Schafe mehrerer gefährdeter Landschafrassen. 

 


Graue gehörnte Heidschnucken       

Die Heidschnucke stammt direkt von den auf Korsika und Sardinien beheimateten Mufflons ab, die, nach ihrer Aussetzung zu Jagdzwecken, inzwischen auch in unseren Wäldern beheimatet sind. Als einzige Rasse der domestizierten Schafe lässt sie sich mit den Mufflons kreuzen.

Sie zählt bei den Schafen zu den Grobwollrassen und in dieser Unterteilung zu den mischwolligen Land- und Heideschafen. Ursprünglich beweidete sie den großen Lebensraum der „Heideschafe des Nordens“ welcher sich von der Bretagne über

Schottland, Norddeutschland und Skandinavien bis nach Sibirien erstreckte.

Die Familie der Heidschnucken unterteilt sich in die „Weiße gehörnte Heidschnucke“ (in kleiner Stückzahl im Weser- Ems- Raum), die „Weiße hornlose Heidschnucke“ (als „Moorschnucke“ vorwiegend im Raum Diepholz) und die „Graue gehörnte Heidschnucke“, deren Heimat die Heideflächen des Lüneburger Raumes sind.

Die Gesamtzahl aller Heidschnucken wird zurzeit auf rund 8.700 Tiere geschätzt.

Mutterschafe tragen sichelförmige Hörner, die Hörner der Böcke sind schneckenartig gedreht. Die Brunst ist saisonal.

Heidschnucken können sowohl in recht karger Heidelandschaft als auch auf nicht zu intensiver Grasweide in Hüte- aber auch in Koppelhaltung gehalten werden.

 

Heidschnucken im therapeutischen Setting

Wir setzten die Heidschnucken in der großen Herde ein. Ziel dabei ist die Förderung von Selbstvertrauen, Ruhe und Durchsetzungsvermögen durch Bewegen und Arbeiten mit der Herde.

 

   

Gotlandschafe

Gotlandschafe gehören zur Gruppe der nordeuropäischen Kurzschwanzschafe und sind eng verwandt mit den Heidschnucken.

Die Familie der Gotlandschafe unterteilt sich in das „gehörnte Gotlandschaf“, welches auch als „Guteschaf“ (Gute à auf Gotland beheimatet) bezeichnet wird, und das „Gotland Pelzschaf“. Gotlandschafe sind eine uralte schwedische Landschafrasse, deren Geschichte bis in die Eisenzeit zurückreicht.

Um 1940 war ihr Bestand auf gut ein Dutzend Tiere zurückgegangen. Heute wird die Gesamtzahl auf ca. 6.000 Tiere geschätzt, welche in Schweden, Dänemark und Norddeutschland gehalten werden.

Gotlandschafe sind schlichtwollig. Ihre Fellfarbe kann von silbergrau bis dunkelbraun variieren. Beide Geschlechter sind gehörnt. Die Hornform gleicht der der Heidschnucke. (Gotland Pelzschafe sind in beiden Geschlechtern hornlos).

Im Sommer löst sich das alte Fell ab. Bei den meisten Tieren kann in dieser Zeit die Wolle abgezogen werden, ohne sie scheren zu müssen. Die Brunst ist saisonal.

 

Gotlandschafe im therapeutischen Setting

Unsere Gotlandschafe werden in der Herde eingesetzt, eignen sich aber auch, wegen ihres menschenbezogenen gutmütigen Charakters zur direkten Kontaktaufnahme.

 

   

Rauhwollige Pommersche Landschafe

 Das „Rauhwollige Pommersche Landschaf“ gehört zu den mischwolligen Landschafrassen und ist wahrscheinlich aus der Kreuzung von Hannoverschem Schaf mit dem Zaupelschaf entstanden.

Ursprünglich war es als „Kuh des kleinen Mannes“ in den Küstenregionen von Mecklenburg, Pommern, Polen und Ostpreußen weit verbreitet. Häufigste Haltungsform war

dabei die Tüder- und Pferchhaltung in geringer Stückzahl. Nach einem verbliebenen Bestand Anfang der 50er Jahre

von noch 110.000 Tieren, ist die Rasse heute stark vom Aussterben bedroht. 1982 begann ein Aufbauprogramm mit den letzten verbliebenen 53 Tieren. Der Bestand ist zurzeit wieder auf ca. 600 Tiere angewachsen, die vor allem auf Rügen, Usedom und in Baden- Württemberg gehalten werden.

Das Rauhwollige Pommersche Landschaf ist sehr genügsam und durch seine Wetterfestigkeit bestens dem rauen Küstenklima angepasst.

Es kann sowohl auf mageren Sandböden, als auch auf feuchten Weiden gut gehalten werden.

Beide Geschlechter sind hornlos. Pommernschafe haben eine lange Brunstsaison.

Das Fell ist blaugrau bis bräunlich. Die Lämmer werden alle mit schwarzer Wolle geboren. Die Wolle eignet sich sowohl zum spinnen als auch zum filzen.

 

Pommernschafe im therapeutischen Setting

Wir setzen die Pommernschafe sowohl in der Gesamtherde als auch im „Streichelgehege“ ein. Durch ihre Hornlosigkeit und ihr menschenbezogenes ruhiges Gemüt eignen sie sich besonders gut zur direkten Kontaktaufnahme, was auch für die Böcke gilt.

 

   

Ostpreußische Skudden

Die „Ostpreußische Skudde“ gehört zu den kurzschwänzigen nordischen Heideschafen. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war die Skudde das Schaf Ostpreußens und des Baltikums. Seit dem Ende des 2. Weltkrieges gilt sie in ihren ursprünglichen Herkunftsgebieten als ausgestorben.

Die heutige Zahl wird auf etwa 1.000 Tiere geschätzt und geht auf einen Restbestand von ca. 160 Tieren nach 1945 zurück.

Die Skudde ist die kleinste deutsche Schafrasse, sehr genügsames und robust, ein Landschaf, das mit sehr magerer Kost ein Auskommen findet. Sie ist mischwollig und weitgehend wetterunempfindlich.

Die Böcke tragen schneckenförmig gedrehte Hörner, während die Mutterschafe meistens hornlos sind, Hornstummel oder kleine Hörner tragen.

Im Gegensatz zu den Wildschafen (Mufflons) und den meisten Landschafrassen, sind die Skudden fast über das ganze Jahr, also assaisonal, deckbereit.

Die ein- bis zwei Lämmer bekommen sie sehr problemlos. Die Böcke sind den Lämmern, aber auch Menschen gegenüber sehr wenig aggressiv.

 

Skudden im therapeutischen Setting

Für die Skudden gilt dasselbe wie für die Pommernschafe. Sowohl Herden- als auch Kontaktsettings sind gut möglich. Auch die Böcke eignen sich, trotz ihrer Behornung als „Streichelschafe“.

 

  

Ungarische Zackelschafe

Die Vorfahren des "Ungarischen Zackelschafes" wurden vor rund 1100 Jahren nach Ungarn mitgebracht.

Da es keine Wildschafe mit schraubenförmigen Hörnern gibt, wird angenommen, dass die Urahnen des Zackelschafes vor ungefähr 4.000 bis 5.000 Jahren in Ägypten gezüchtet wurden. Bis ins 18. Jahrhundert waren Zackelschafe die vorherrschende

Schafrasse in Ungarn, wurden dann aber nach und nach von Merinoschafen verdrängt.

Heute ist das Ungarische Zackelschaf die letzte erhaltene Schafrasse mit Schraubenhörnern deren Bestand auf ca. 3500 Tiere geschätzt wird.

Das Zackelschaf gehört zu den mischwolligen langschwänzigen Rassen.

Es ist an die karge Nahrung der Steppenregionen und die dortigen Witterungsverhältnisse bestens angepasst.

Zackelschafe gibt es in einer weißen und einer schwarzen Variante.

Sie sind sehr genügsam und extrem wetterfest. Ihre Brunft ist stark saisonal.

 

Zackelschafe im therapeutischen Setting

Bedingt durch ihre Scheue und die V-förmig angeordneten Schraubenhörner sind Zackelschafe ausschließlich in der Herde einsetzbar. Eine direkte Kontaktaufnahme ist für Klienten durch die erhöhte Verletzungsgefahr nicht indiziert.

 

 


 

Ziegen


 

Wildziegen waren ursprünglich in gebirgigen Regionen Mittel- und Südeuropas, in weiten Teilen Vorder- und Zentralasiens sowie im nördlichen Afrika beheimatet.Sie sind relativ robust gebaute Tiere mit kräftigen Gliedmaßen und an eine kletternde Fortbewegung angepassten Hufen. Ziegen wurden vor mindestens 9.000 Jahren zur Hausziege domestiziert und gehören damit zu den ältesten wirtschaftlich genutzten Haustieren.

Die westafrikanische Zwergziege ist eine Rasse der Hausziege. Sie stammt ursprünglich aus Asien, von wo aus sie nach Afrika gelangte.

Mitte des 17. Jahrhunderts wurden erste Exemplare nach Europa eingeführt.

Sie werden ca. 40- 50 cm groß. Ihre Färbung variiert zwischen braun, grau, weiß und schwarz, die meisten Tiere haben aber ein geschecktes Fell.

Alle Ziegen sind Pflanzenfresser, die sich vorwiegend von Gräsern und Kräutern ernähren. Sie sind sehr gute Kletterer, denen auch das Klettern auf Bäume keine Probleme bereitet.

Zurzeit haben wir 3 Zwergziegen.

 

Zwergziegen im therapeutischen Setting

Sie sind neugierig, kontaktfreudig, lernbereit aber auch distanziert und wehrhaft. Daher eignen sie sich für distanzlose Jugendliche und das Erlernen kleinerer Kunststücke.

 

 

 

 

Esel

 

Esel haben, je nach Rasse, eine Schulterhöhe von 90 bis 160 cm. Je nach Größe unterscheidet man zwischen Zwergeseln, Hauseseln und Groß- oder Riesenesel. Die Einteilung geschieht folgendermaßen:

Zwerg-Esel bis 105 cm

Normal-Esel bis 130 cm

Groß-Esel > als 131 cm

Alle heutigen Eselrassen stammen vom wildlebenden afrikanischen Esel ab.

Esel stammen aus trockenen, gebirgigen Regionen Afrikas und Vorderasiens. Ihre Hufe sind deswegen einem steinigen Untergrund angepasst. Aus diesem Grund kann es bei dem hiesigen feuchteren Klima zu Hufproblemen kommen.

Der Esel ist, im Gegensatz zum Pferd, kein Fluchttier. Sonst bestände für ihn im Gebirge eine große Gefahr abzustürzen. Ist ihm etwas unbekannt, bleibt der Esel wie angewurzelt stehen um die Lage erst einmal einzuschätzen. Diese Eigenart hat ihm das Klischee des „sturen Esels“ eingebracht.

Die ersten Esel wurden schon ca. 4.000 v. Chr. in Ägypten domestiziert. In Europa wurden Sie ca. 1.000 v. Chr. als Haus- und Nutztiere eingeführt. Esel dienten als Trage- und Zugtiere, aber auch zur Fleisch-, Milch- und Ledergewinnung. Im Mittelalter wurden sie von Schäfern auch als Herdenschutzesel für ihre Schafe eingesetzt. Heute werden Esel als Beistelltiere für Pferde oder aus Liebhaberei gehalten. Ihr Einsatz in der tiergestützten Therapie nimmt ständig zu.

Der Andalusische Großesel ist dem Katalanischen Großesel ähnlich, variiert jedoch von Reinweiß bis Apfelschimmel, da er von den weißen ägyptischen Pharaoneneseln abstammt. Diese Eselrasse ist weltweit mit am stärksten bedroht. Ihr Bestand liegt bei weit unter 200 Tieren.

Auf „Hof Weitenhagen“ leben 2 Hausesel und je 1 Andalusischer Großesel und Katalanischer Großesel.

 

Esel im therapeutischen Setting

Da Esel keine Fluchttiere sind, eignen sie sich sehr für den therapeutischen Einsatz. Mit ihnen können kleine Übungen vollbracht werden (Hindernislauf) und sie eignen sich für Spaziergänge. Die Eselherde lädt zum Beobachten ein- an ihr können Mutter- Kind Beziehungen, gegenseitige Freundschaft, aber auch Twistigkeiten und Nähe- Distanz Probleme, beobachtet und besprochen werden.

 


 

 

Deutsches Reitpony


 

Die Zucht des Deutschen Reitponys begann etwa 1965, als eine Kreuzung aus verschiedenen englischen Ponyrassen, vor allem Welsh-Ponys, Arabern, Anglo-Arabern und Englischen Vollblütern.

Beim Deutschen Reitpony handelt es sich um ein

„Miniatur Warmblutpferd“. Mehr als andere Ponyrassen kommt es einem Reitpferd nahe. Es zeichnet sich durch eine liebenswürdige Ausstrahlung und lebhafte freundliche Augen aus und kommt in allen Pferdefarben vor. Das Stockmaß des Deutschen Reitponys beträgt 138- 148 cm. Hauptzuchtgebiet ist Deutschland, aber es ist inzwischen in ganz Europa stark verbreitet.

 

Ponys im therapeutischen Setting

Pferde sind der Traum fast jeden Mädchens und der vieler Jungen. Sie können für Spaziergänge und kleine Dressurnummern eingesetzt werden. Ein Klient kann sich aber auch gegen den Pferdekörper lehnen oder sich auf das Pferd legen, um die Wärme und Atmung zu spüren.

Beim Longieren geht es um Gewinnung von Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen.

 

 


 

Minischweine


 

Grundsätzlich stammen alle domestizierten Schweine vom Europäischen oder Asiatischen Wildschwein ab. Als Minischweine bezeichnet man kleinwüchsige Schweine mit einem Körpergewicht unter 100 kg. 

Minischweine umfassen viele Rassen und Linien, die speziell für Versuchszwecke oder für die Hobbyhaltung gezüchtet wurden.

Die erste gezüchtete Minischweinrasse war das „Minnesota Minischwein“ in den 1940er Jahren in den USA. Viele weitere Rassen folgten. Ziel aller Züchter war es, ein handliches Versuchstier zu züchten.

Vorteile der Züchtungen waren: die anatomische Ähnlichkeit zum Menschen, der geringere Platzbedarf, die bessere Handhabung während der Versuche, die geringeren Futterkosten und vor allem die niedrigeren Versuchskosten wegen des geringeren Körpergewichtes.

Heute werden viele Minischweine als Hobby gehalten und auch ihr Einsatz in der tiergestützten Therapie nimmt stetig zu.

 

Minischweine im therapeutischen Setting

Minischweine lassen sich hervorragend für das Einüben kleiner Kunststücke einsetzten. Sie wollen erobert werden und zeigen deutlich ein übergriffiges Verhalten an. Auch sie können gut für Spaziergänge eingesetzt werden. Wichtig ist, den Klienten im Vorfeld die Umgangsregeln mit Schweinen zu erklären (nicht aus der Hand füttern).

 

 


 

Hunde


 

Die Domestikation des Wolfes fand, aus archäologischen Funden zu schließen, bereits vor ca. 10.000 Jahren statt.

Die Verwendung als Gebrauchshund, heute zahlenmäßig nur eine Randerscheinung, ist wohl die ursprünglichste Form der Hundehaltung. Am Anfang stand die Hilfe bei der Jagd, sowohl beim Aufspüren und Aufjagen als auch beim Erlegen der Tiere. Dies war über lange Zeit die wichtigste Nutzung von Hunden.

Aber auch die Bedeutung als menschlicher Begleiter entstand schon sehr früh.

Indem die Menschen sesshaft wurden und verstärkt Landwirtschaft und Viehzucht betrieben, wurden Hunde auch verstärkt zum Bewachen von Hof, Haus und Herden eingesetzt.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Hunde aber auch als Zugtiere, Pelz- und Fleischlieferanten gezüchtet.

Heute ist die Nutzung als Gebrauchshund in den Hintergrund getreten. Hunde sind meist Sozialpartner des Menschen, nicht selten die einzigen, mit denen dieser seine Freizeit verbringt.

Eingesetzt werden sie als Jagd- und Hütehunde, Schutz- und Rettungshunde sowie als Begleithunde und in der tiergestützten Therapie.

 

Border- Collies stammen aus dem Grenzland zwischen England und Schottland. Sie werden schon seit längerer Zeit in Großbritannien fast ausschließlich als Hütehunde gehalten. In Deutschland gibt es Border- Collies seit den 1970er Jahren. Sie sind sehr intelligent und benötigen viel Beschäftigung. Durch das Aufkommen des Agility- Sportes fanden Border- Collies auch in außerlandwirtschaftlichen Haushalten eine immer größere Verbreitung.

 

Der Labrador- Retriever wurde in England gezüchtet und geht auf eine Hunderasse zurück, die von der kanadischen Ostküste aus der Gegend Neufundlands stammte, was ihm auch seinen Namen gab. Er diente zunächst als Apportierhund, vor allem auch für abgetriebene Fische und Fischernetze.

Labrador Retriever sind sehr gutmütige und freundliche Hunde, sehr geduldig und ausgeglichen.

Als Wach- und Schutzhunde sind sie absolut ungeeignet. Dafür finden sie heute Einsatz als Jagdhunde, Rettungshunde, Blindenhunde und Therapiehunde.

 

Der ursprüngliche Verwendungszweck des deutschen Schäferhundes war der eines Herdengebrauchshund. Er übte sowohl Hüte- als auch Schutzfunktion für den Schäfer aus. Der Schäferhund ist lernwillig aber auch selbstbewusst. Er verfügt über einen ausgeprägten Schutztrieb. Aus diesem Grund ist er vor allem als Diensthund bei Militär, Zoll und Polizei tätig und stellt rund 90 Prozent der Diensthunde weltweit. Aber auch als Rettungs- oder Blindenhunde kommen Deutsche Schäferhunde zum Einsatz.

 

Unsere Hunde im therapeutischen Setting

Border- Collie „Sam“: Hundetraining, Geschicklichkeitsaufgaben, Schaftraining, Ballspiele

Border- Collie „Bo“: Hundetraining, Geschicklichkeitsaufgaben, Schaftraining, Ballspiele

Labrador- Retriever „Aaron“: Ruhepol, Begleithund in Einrichtungen, snoezeln, Bezugshund für Klienten

Schäferhündin „Riska“: Begleithund in Einrichtungen, Hundetraining

Schäferhündin "Lucy": Ballspiele, Hund bei "vorsichtigen" Klienten

Labrador- Retriver "Amy": Welpe, lernt von Aaron

 

 


 

Katzen

 

Mit beginnender Sesshaftigkeit der Menschen schloss die Katze sich ihnen – zunächst als Abfallvertilger am Rand von Siedlungen lebend – an. Vermutlich kam es infolge der sich daraus ergebenden beiderseitigen Vorteile allmählich zur Selbstdomestikation der Tiere vor ca. 9000 Jahren. In der vom Menschen geschaffenen

landwirtschaftlich geprägten Umwelt hatten sie eine große Bedeutung als Bekämpfer der Schädlinge Maus und Wanderratte. Im Mittelalter kam als Nutzung von Katzen die Ledergewinnung (vor allem für Handschuhe) hinzu. Trotz ihrer langen Domestikationsgeschichte haben sich Hauskatzen ein hohes Maß an Selbständigkeit bewahrt und sind nicht zwingend an Menschen gebunden.

Katzen verfügen über ein großes Lern- und Erinnerungsvermögen, das sie vor allem für Informationen einsetzen, die für sie nützlich sind. Das assoziative Gedächtnis erlaubt Katzen, eine Problemstellung mit bereits Erlebtem zu vergleichen. So können sie mühelos Beziehungen zwischen mehreren Elementen herstellen und nachvollziehen.

 

Unsere Katzen im therapeutischen Setting

Katzen eignen sich zum Entspannen und snoezeln. Eine Katze ist hervorragend, wenn sie im Hintergrund bei einem Gespräch dabei ist; Katzen lassen sich nicht dirigieren und zeigen den Jugendlichen Grenzen.

 

 


 

Geflügel

 

 

Hühner


 

Das Haushuhn ist eine domestizierte Zuchtform des Bankivahuhns, eines Wildhuhns aus Südostasien. Im natürlichen Lebensraum fressen Hühner Körner, Würmer, Schnecken, Insekten und sogar Mäuse. Hühner sind während der Nahrungssuche sehr wachsam und halten sich gerne in deckungsreicher

Landschaft auf. Erste Domestikationen des Bankivahuhns fanden bereits im 9. Jahrtausend v. Chr. in China statt. In Europa findet man Hühnerhaltung seit der Eisenzeit. Eine weite Verbreitung im europäischen Raum fand das Haushuhn aber erst durch die Römer, die Hühner im großen Stil als Eier- und Fleischlieferanten züchteten.

Das Haushuhn wiegt etwa 1,5 bis 5 kg je nach Rasse. Bei Tieren der gleichen Rasse oder Abstammung ist der Hahn bis zu 1 kg schwerer als die Henne. Daneben gibt es die Zwergrassen, die zwischen 500 und 1.200 Gramm wiegen. Als Haustier wird das Huhn in vielen Rassen mit verschiedenen Form-, Merkmals- und Farbvarianten gezüchtet. Wie bei fast allen anderen Nutztierrassen unterscheidet man dabei auch zwischen Leistungs- und alten Landrassen.

 

Das Vorwerkhuhn ist eine aus dem Hamburger Raum stammende Landrasse. Es steht auf der Roten Liste in der Kategorie „Beobachten“ und hat einen Gesamtbestand von ca. 4.600 Tieren.

 

 

 

Gänse

 

In Mitteleuropa wurden im Laufe der Jahrhunderte wildlebende Graugänse domestiziert. So entstanden Haus- und Landgänse. Die Graugans ist ein Zugvogel Nord- und Osteuropas. Ihre Überwinterungsgebiete liegen auf der iberischen Halbinsel und in den Küstenregionen Nordafrikas. Durch eine

intensivere Landwirtschaft, die auch im Winter genügend Nahrung bietet und den Klimawandel, überwintern immer mehr Graugänse in unseren Breitenlagen und entwickeln sich so zu Standvögeln. Graugänse leben in großen Schwärmen, die sich nur zur Brutzeit auflösen. In dieser Zeit leben sie paarweise zusammen und sind sehr partnertreu. Während das Weibchen alleine brütet, werden die Jungtiere von dem Paar gemeinsam aufgezogen.

 

Pommerngänse wurden bereits vor mehreren Jahrhunderten in Pommern, vor allem auf Rügen und in dem Gebiet um Stralsund aus domestizierten Graugänsen hervorgezüchtet. Ihr Verbreitungsgebiet war dann zunächst Pommern, Rügen und die Uckermark. Heute wird sie in ganz Deutschland gezüchtet.

Es kommen drei verschiedene Farbschläge vor: weiß, grau und grau gescheckt. Gans und Ganter unterscheiden sich optisch nur dadurch, dass das Männchen etwas größer ist als das Weibchen. Graue Pommerngänse gleichen optisch „sehr dicken“ Graugänsen.

Da sie ein großes Sicherheitsbedürfnis haben, bevorzugen sie ein offenes und übersichtliches Gelände mit kurzem Gras und Kräutern. Sie eigenen sich auch sehr gut zur Vergesellschaftung mit größeren Pflanzenfressern, wie z.B. Schafen und Ziegen. Veränderungen in ihrem Gelände erschrecken die Gänse und werden mit lautem Geschnatter kommentiert. Wasser ist für sie sehr wichtig, vor allem auch für die Gefiederpflege und das Wohlbefinden.

Ganter haben einen sehr ausgeprägten Beschützerinstinkt und verteidigen ihre Gefährten auch bis zum Tod.

 

 


Enten

 

Alle Entenvögel sind mehr oder weniger stark an ein aquatisches Leben angepasst. Ihr langer, breiter Körper gibt ihnen beim Schwimmen Auftrieb, die Füße sind mit Schwimmhäuten versehen und setzen weit hinten am Körper an. Dadurch wirkt der Gang an Land etwas ungeschickt. Entenvögel sind auf allen

Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis verbreitet. Sie kommen in allen Klimazonen von der hocharktischen Tundra bis zu den tropischen Regenwäldern vor.

Die Hausente stammt von der Stockente ab. Die Domestizierung erfolgte offenbar zweimal unabhängig voneinander: in Europa und Süd-Ostasien. Man schätzt, dass dies vor ungefähr 3000 Jahren geschah, also erheblich später als bei Hühnern und Gänsen.

 

 

Unser Geflügel im therapeutischen Setting

Eier aus einem Hühnernest holen ist eine wunderbare Sache- aber auch das Füttern, Erobern und Streicheln eines Huhnes, einer Ente oder einer Gans ist spannend. Kaum ein Klient hat in seinem bisherigen Leben Federn gefühlt.

Die Gänse eignen sich, um Jugendlichen grundlegende „Benimmregeln“ gegenüber Tieren beizubringen. Es muss um einen einvernehmlichen, ruhigen und höflichen Kontakt gehen!

 

 


 

Kaninchen (Hasen)

 

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet war weltweit mit Ausnahme des südlichen Südamerikas, Australiens und des ozeanischen Raumes. Heute sind Hasen bis auf die Antarktis überall zu finden, da sie durch den Menschen auch in Gebieten eingeschleppt wurden, in denen sie nicht heimisch waren.

Hasen bewohnen eine Vielzahl von Lebensräumen, von der Tundra über Grasländer bis zu tropischen Wäldern. Je nach der Lebensweise unterscheidet man die Arten in Hasen und Kaninchen.

Dabei gilt:

-         Hasen haben in der Regel längere Ohren und kräftigere Hinterbeine.

-         Kaninchen graben Erdbauten, während Hasen im freien Feld leben.

-         Hasen sind in der Regel Einzelgänger, während Kaninchen meist gesellig leben.

-         Neugeborene Kaninchen kommen, als Nesthocker, nackt und blind zur Welt; Hasenbabys, als Nestflüchter, sind befellt und haben offene Augen.

Alle domestiziert gehaltenen Hasen sind eigentlich Kaninchen.

Hauskaninchenrassen werden in den verschiedensten Größen gezüchtet. Das Spektrum reicht von sehr großen Rassen (z.B. Deutsche Riesen) bis zum Zwergkaninchen (z.B. Zwergwidder).

Zwergkaninchen sind kleinwüchsige Hauskaninchenrassen und nicht zu verwechseln und verwandt mit den wild lebenden nordamerikanischen Zwergkaninchen.

 

Kaninchen im therapeutischen Setting

Unsere Kaninchen leben in einem Stall, indem sie viel Platz haben und auch graben können. Sie kommen beim Füttern zwar zum Menschen, lassen sich allerdings nur sehr ungern hochheben. Es ist interessant für Klienten, die Gruppe und ihr mehr oder weniger natürliches Verhalten zu beobachten- auch sind Gespräche im Kaninchenstall sehr angesagt.

 

 


 

Meerschweinchen 


 

Meerschweinchen wurden vor ca. 6.000 Jahren in Südamerika aus dem Tschudi- Meerschweinchen domestiziert. Nach der Entdeckung Amerikas wurden sie im 16. Jahrhundert nach Europa importiert. Neben der Haltung als Heimtier wurden Meerschweinchen bis ins 20. Jahrhundert auch zu

Speisezwecken und seit dem 18. Jahrhundert auch zunehmend als Labortiere gezüchtet.

Ihr Fluchtverhalten hat sich trotz der langen Domestikationszeit voll erhalten, jedoch flüchten Hausmeerschweinchen unkoordinierter als die Wildform.

Meerschweinchen werden heute in vielen verschiedenen Fellfarben und Fellvarianten gezüchtet. Sie sind sehr gesellschaftsliebend, sollten aber wegen der unterschiedlichen Kommunikationsformen nicht mit Kaninchen zusammengehalten werden. In einigen europäischen Ländern (z.B. Schweiz und Österreich) ist die Gruppenhaltung für Meerschweinchen inzwischen gesetzlich vorgeschrieben.

 

Meerschweinchen im therapeutischen Setting

Da Meerschweine sehr zarte und ängstliche Tiere sind, werden sie nur bei ruhigen und zurückhaltenden Klienten eingesetzt. Meerschweine eignen sich bei Jugendlichen, die Ängste vor „größeren und lebhafteren“ Tieren haben.

 


 

 

Vögel


 

Der Kanarienvogel stammt vom Kanarengirlitz ab der die atlantischen Inselgruppen der Kanarischen Inseln und Azoren sowie die Insel Madeira bewohnt. Er lebt vor allem von Samen und Pflanzenteilen und in der Brutzeit auch von Insekten. Im Laufe von mehr als 500 Jahren hat der Mensch diesen Singvogel zu einem Haustier

domestiziert. Seit der Eroberung der Kanarischen Inseln im Jahre 1496 brachten die Spanier den Kanarengirlitz nach Europa. Wegen ihres Gesangs und ihrer Munterkeit erlangte er schnell große Beliebtheit. Schon vor 1600 traten erste farbliche Mutationen auf, aus denen recht schnell die ersten rein gelben Kanarienvögel gezüchtet wurden. Heute gibt es eine sehr große Anzahl von Kanarienrassen, in vielen verschiedenen Farbschattierungen und unterschiedlichen Gestaltsformen (seit den 1980er Jahren auch Zwergformen).

Der australische Zebrafink gehört zu der Familie der Prachtfinken. Sein Verbreitungsgebiet umfasst Australien und die Kleinen Sunda-Inseln. Nach seiner Domestikation gewann diese Art erst um die Wende zum 20. Jahrhunderts als Stubenvogel große Popularität. Da domestizierte Zebrafinken sich sehr leicht vermehren lassen und da Australien 1960 den Export einheimischer Vögel verboten hat, kommt es schon seit Jahrzehnten zu keinem genetischen Austausch zwischen domestizierten und Wildvögeln dieser Art. Die ursprüngliche Wildfarbe ist Grau. Die gezielte Zucht des Australischen Zebrafinken hat zu zahlreichen Farbschlägen geführt, die in der Natur nicht vorkommen.

 

Unsere Vögel im therapeutischen Setting

Die große Voliere steht in unserem Gesprächszimmer und lädt zum Beobachten ein. Auch hier ist es spannend, das Gruppenverhalten der Vögel zu beobachten und zu besprechen.

In der Freivoliere können die Jugendlichen Platz nehmen- die Vögel haben durch viele Rückzugsplätze, sowie die direkte Verbindung zur Innen- Voliere die Möglichkeit Kontakt aufzunehmen oder es sein zu lassen.

 

 


 

Fische


 

Der Feuerschwanz kommt ursprünglich aus Thailand, ist aber in der Natur vermutlich schon ausgestorben und steht daher auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Die ersten Feuerschwänze wurden 1952 vom Aquarium Hamburg nach Deutschland eingeführt. Feuerschwänze können bei guter Pflege ein Alter von 15 Jahren und eine Größe von 30 Zentimeter erreichen. Feuerschwänze sind einzelgängerisch und revierbildend. Sie sind gegen Artgenossen meist sehr bissig und unverträglich (was bei unseren Zwei allerdings nicht der Fall ist). Gegenüber anderen Arten und gattungsfremden Fischen sind sie aber meist friedlich.

Zebrabärblinge sind in den Zuflüssen des Ganges in Bengalen (Indien und Bangladesch), und Pakistan, wo sie in langsam fließenden oder stehenden Gewässern, wie zum Beispiel Reisfeldern, leben, beheimatet. Erwachsene Fische werden fünf bis sechs Zentimeter lang. Beim Zebrabärbling handelt es sich um einen temperamentvollen und sehr schwimmfreudigen Gruppenfisch, der sich dennoch gegenüber den meisten anderen Aquarienbewohnern sehr friedlich verhält.

Der Neonsalmler stammt ursprünglich aus dem Oberlauf des Amazonas. Die 3,5 bis 4 cm langen Tiere bilden Schwärme. Der Neonsalmler ist der zahlenmäßig meist gehandelte Aquarienfisch. Er ist sehr friedlich und kann problemlos im Gesellschaftsbecken mit nicht zu großen Fischen gehalten werden.

Der Marmorierte Panzerwels ist im Amazonasgebiet des tropischen Südamerikas beheimatet. Die Tiere sind Schwarmfische, sehr friedlich und können auch mit kleineren Fischen problemlos vergesellschaftet werden. Wie alle Panzerwelse ist der Marmorierte Panzerwels ein Darmatmer, das heißt, er muss von Zeit zu Zeit an der Wasseroberfläche Luft holen. In Gefangenschaft sollte er daher nicht in einem Becken mit geschlossener Schwimmpflanzendecke gehalten werden.

 

Unsere Fische im therapeutischen Setting

Fische beruhigen und sind spannend zu beobachten. Bei Jugendlichen, die sehr distanzlos sind, können sie ein Einstieg in den Tierkontakt sein.

 

 

 

 

Schildkröten

 

Seit etwa 250 Millionen Jahren bevölkern Schildkröten unseren Planeten und gehören damit zu den ältesten Wirbeltieren überhaupt. Im Laufe der Erdgeschichte konnten ihnen weder Naturkatastrophen noch klimatische Veränderungen wie die Eiszeiten etwas anhaben - im Gegensatz z.B. zu den Dinosauriern. Die meisten Schildkrötenarten leben in den Tropen oder Subtropen. In nördlicheren Regionen leben nur wenige Arten. Wenn sie ausgewachsen sind, haben sie kaum natürliche Feinde. Nur den Menschen, der ihren Lebensraum immer mehr zerstört, müssen sie fürchten. Der Straßenverkehr wurde für sie zusätzlich zur tödlichen Falle.

Schildkröten können sehr alt werden. Auch die kleineren Arten der Land- oder Wasserschildkröten erreichen ein Alter bis zu 100 Jahren, Riesenschildkröten können sogar über 150 Jahre alt werden.

Schildkröten sind beliebte Haustiere. Ihre gutmütige, behäbige Art und die großen Augen lassen Schildkröten niedlich erscheinen.

 

Landschildkröten sind meist Pflanzen- oder Aasfresser. Als Vegetarier müssen sie nicht schnell sein, da ihre Nahrung ja nicht wegläuft. Um Hindernisse bewältigen zu können, haben Landschildkröten Krallen an den Füßen. Damit können sie erstaunlich gut klettern. Ihr Panzer ist eher hoch gewölbt, weniger stromlinienförmig, dafür aber härter als der von Wasserschildkröten. .

Echte Landschildkröten sind die am stärksten an eine terrestrische Lebensweise angepasste Familie der Schildkröten. Heute gibt es 16 Gattungen mit 48 Arten, die vorwiegend in den Tropen und Subtropen der Alten Welt leben. In Nord-, Mittel- und Südamerika gibt es nur wenige, in Australien überhaupt keine

Landschildkröten. Sie haben sich den klimatischen Bedingungen ihrer Umgebung und auch den wechselnden Jahreszeiten sehr gut angepasst. Die nördlichen Arten fallen im Winter in eine Kältestarre (Winterschlaf). In Südeuropa leben die Maurische Landschildkröte, die Griechische Landschildkröte und die Breitrandschildkröte.

Die Griechische Landschildkröte besiedelt große Teile des europäischen Mittelmeerraumes. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Spanien (Katalonien) über Südfrankreich, Italien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Mazedonien, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien bis in den europäischen Teil der Türkei. Außerdem sind zahlreiche Inseln im Mittelmeer besiedelt. In ihren Heimatländern ist ihr Bestand bedroht. Sie ist als „stark gefährdet“ eingestuft. Seit 1975 ist die Griechische Landschildkröte im Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) aufgeführt. Seitdem gilt für die Unterzeichnerstaaten ein vollständiges Handelsverbot für aus der Natur entnommene Tiere. In Gefangenschaft nachgezogene Tiere unterliegen einer behördlichen Meldepflicht und brauchen für die Weitergabe an andere Halter Vermarktungsgenehmigungen.

Auf ihren Wanderungen zur Futtersuche legen die Tiere im Durchschnitt 80 Meter täglich zurück, teilweise aber auch über 400 Meter. Im Jahr kommen so Wege von rund 12 Kilometer Länge zustande. Die Tiere nutzen dabei sehr große Reviere, je nach Biotop 1,8 Hektar und mehr. Landschildkröten werden seit Jahrtausenden vom Menschen genutzt, als Nahrungsquelle, der Panzer als Gebrauchsgegenstand und Schmuckobjekt, das lebende Tier als Kinderspielzeug.

 

Wasserschildkröten sind die Jäger unter den Schildkröten, denn in ihrem Element können sie beachtliche Geschwindigkeiten erreichen. Ihr Panzer ist flacher und stromlinienförmiger als der der Landschildkröten, ihre Füße sind flossenartig beziehungsweise haben Schwimmhäute zwischen den Krallen (zum Beispiel Sumpfschildkröte). Alle Arten sind exzellente, schnelle Schwimmer. Ihre Augen sind an ihren Lebensraum, das Wasser, perfekt angepasst. Ihre Augenlinsen können den Brechungswinkel des Wassers ausgleichen, was es ihnen ermöglicht, auch unter Wasser scharf zu sehen. Auch bei den Wasserschildkröten fallen die nördlichen Arten im Winter in eine Kältestarre (Winterschlaf).

Nur eine Schildkrötenart ist bis in den Norden Deutschlands vorgedrungen: die Europäische Sumpfschildkröte. Sie ist die am weitesten verbreitete Schildkrötenart in Europa. Sie lebt, in verschiedenen Unterarten, von Deutschland bis Italien, von Spanien bis in die Ukraine, aber auch in Nordafrika und auf dem Balkan. Doch nur, wo es noch saubere Flüsse und Seen mit schlammigem Grund, ein paar Sandinseln und vielen Wasserpflanzen gibt, fühlt sie sich wohl. Heute ist sie in Deutschland so gut wie ausgestorben (nur noch ein Bestand in Brandenburg und wenige Wiederansiedelungsprojekte u.a. in Mecklenburg- Vorpommern und Hessen). Und auch in ihren sonstigen Verbreitungsgebieten ist sie vom Aussterben bedroht, oder bereits verschwunden und steht europaweit unter strengstem Artenschutz.

Als Wasserschildkröte wurde die Europäische Sumpfschildkröte im Mittelalter noch zu den Fischen gezählt. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte die Europäische Sumpfschildkröte in deutschen Klöstern neben Fisch zu den beliebtesten Fastenspeisen. Massenweise wurde sie gefangen und auf Märkten angeboten. Die Sumpfschildkröte kann sehr gut schwimmen und tauchen. Das hilft ihr bei der Jagd nach Kaulquappen, Schnecken, Würmern, Krebschen und Wasserinsekten. Auch kranke Fische und Aas verschmäht sie nicht. Gesunde Fische sind allerdings meistens zu schnell für sie. Zur Ergänzung frisst sie auch mal Pflanzen und Algen. Interessant ist, dass sie ihre Nahrung nur unter Wasser schlucken kann.

Ausgewachsen erreichen sie eine Größe von bis zu 35 Zentimetern, je nach Unterart. Sie können bis zu 75 Jahren alt werden.

 

Unsere Schildkröten im therapeutischen Setting

Schildkröten sind Tiere die meist langsam sind und beim Beobachten Geduld erfordern. Sie dürfen nicht berührt werden. Ihr Verhalten und ihre Mimik sind spannend; sie können zum Entschleunigen und für Ruhe- Übungen eingesetzt werden.